lesbischer Herbst

Lesbischer Herbst - Tagungen fü lesbische Frauen 49 plusLesbischer Herbst - Tagung fü lesbischer Frauen 49 plus®
Initiative und Tagungen für lesbische Frauen 49plus

Herbsttagung 2007 - Das Programm

  1. Lesbenkultur

    1. Miteinander wachsen und mit Wohlbehagen in der Welt leben


      Damit unsere Liebesbeziehungen gelingen können und wir darin nicht in Stagnation und Lähmung geraten, muss sich jede von uns die Freiheit erarbeiten, ihr Begehren, ihre Wünsche und Visionen zu leben. Diese Freiheit bedeutet immer auch, „Welt“ zu gestalten, also im weitesten Sinne politisch zu wirken. Sehr hilfreich in diesem Prozess war und ist für mich das Denken italienischer Philosophinnen. Was sie vorschlagen, damit „weibliche Freiheit entsteht“, werde ich in meinem Vortrag auf lesbisches Leben und lesbische Politik übertragen.

      Referentin: Dr. Dorothee Markert, Philosophin und Publizistin
  2. Identität und Psyche

    1. Lesbische Identität - Facetten und Wandlungen


      Seit ca. 15 Jahren beschäftige ich mich mit lesbischer Identität und heterosexueller weiblicher Identität, um herauszufinden, ob es gewisse Unterschiede gibt. Die scheint es zumindest graduell zu geben. Sind es Prägungen, die Gene oder die Erziehung? In meinem Buch: "ie Sehnsucht der Frau nach der Frau“ habe ich dies näher beschrieben.
      Je mehr ich darüber nachdenke – auch über meine eigene Identität -, bemerke ich, dass es weniger eine Identität sondern eher Identitäten gibt, die sich im Laufe der Jahre wandeln können oder die sogar zeitgleich nebeneinander her existieren können. Daher frage ich mich: Brauchen wir überhaupt den Begriff „Identität“ noch? Gibt er uns Sicherheit – oder eher Einengung? Ich freue mich auf eine spannende Diskussion.



      Referentin: Dr. Barbara Gissrau, Therapeutin und Autorin
  3. Liebe und Sexualität

    1. Die herbstlichen Farben der Lust


      Keine Zeit mehr für Sex? Keine Lust mehr auf Sex? Wie schaffen wir reiferen Semester es bei dem heutigen Stress, die alltäglichen, unvermeidlichen Enttäuschungen, Verwundungen, Fruste in unseren Beziehungen zu heilen und uns unsere Liebesfähigkeit zu bewahren?.


      In meinen Gesprächen mit Paaren höre ich oft: "Das bisschen Zeit, das wir haben, wollen wir doch nicht verquatschen – wir wollen lieber etwas machen, was Spaß macht!" Die meisten älteren und Langzeit-Paare, die ich kenne (ich schließe mich mit ein), haben gelernt, wie ein Streit schnell zu schlichten ist. Sie vertragen sich wieder, aber ein Teil der Gefühle wird unter den Teppich gekehrt, weil keine Zeit ist zu "mehr". Die Ressentiments und kleinen Wunden bleiben ungeheilt, und das Erlebnis, sich danach wirklich erleichtert, getröstet und berührt in die Arme zu fallen, bleibt aus. Von meiner eigenen Erfahrung ausgehend, möchte ich Alternativen anbieten und darüber sprechen, was wir tun können, um uns auch unter den Belastungen des Alltags Sex und Liebe nicht nehmen zu lassen.



      Referentin: Dr. Renate Stendhal, Therapeutin und Autorin
  4. Gesellschaft und Politik

    1. Blick über den Tellerrand


      Wochen und Monate lang sind die Nachrichten hier in Deutschland voll mit Informationen über Kriege and Konflikte in anderen Ländern. Dann hören wir kaum mehr etwas über das Leben der Menschen vor Ort und noch weniger über das Leben der Frauen. Wie geht es Frauen in Kambodscha zum Beispiel, oder in Afghanistan oder in anderen muslimischen Ländern? Wie geht es Frauen, die Frauen lieben? Gibt es sie überhaupt? Welche Rechte werden in den Politiken der neuen Regierungen für Frauen vorgesehen? Haben die Gesetzesänderungen Auswirkungen auf das Leben der Frauen vor Ort?

      Referentin: Prof. Dr. Dagmar Oberlies
  5. Gesundheit und Alter

    1. Brustkrebs und weibliche Identität


      Über kaum eine andere Erkrankung wird in den Medien so viel berichtet wie über Brustkrebs – und dies meist in dem düsteren Kontext von Kampf, Leiden und Zerstörung.

      Ich möchte mit dem Workshop dazu beitragen, diese Erkrankung zu „entdramatisieren“, und den Blick auf „erlebte Gesundheit trotz Krankheit“ lenken.

      Neben medizinischen Informationen über die aktuellen Empfehlungen zur Brustkrebstherapie werden folgende Fragen besprochen: Haben Lesben andere Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung als heterosexuell lebende Frauen? Haben wir es einfacher, den veränderten Körper anzunehmen, weil es uns leichter gelingt, den Wert einer Frau in unserer Gesellschaft nicht an Jugend, Schönheit und Unversehrtheit zu messen?

      Oder aber haben wir es besonders schwer, weil eine Brustkrebserkrankung z.B. als Einschränkung des erotischen Potenzials wahrgenommen wird?

      Oder ist es unbedeutend, welcher Art eine schwerwiegende Krankheit ist, weil jede ernste Erkrankung das Leben in ein Vorher und Nachher teilt?

      Wo sollten wir besonders achtsam sein (z.B. im Umgang mit medizinischen Institutionen) und wo können wir uns gelassener auf eine entwickelte lesbische Lebenskultur stützen?




      Referentin: Dr. Anne Gutzmann (Köln), Frauenärztin
    2. "Über Geld spricht man nicht - frau schon!"


      Für viele Frauen ist Geld ein heikles Thema. Wir haben gelernt, für öffentliche Gelder z.B. für Lesbenberatungsstellen zu kämpfen, aber tun uns schwer, für uns selbst ein angemessenes Honorar zu fordern. Wir reden vom „Teuro“, freuen uns gemeinsam über Schnäppchen, aber wir sind gehemmt, wenn es um die Themen der individuellen Finanzplanung geht, die Erbschaft und das Vererben, die Finanzierung der eigenen Immobilie, die finanziellen Probleme in der Liebesbeziehung usw. Es scheint leichter zu sein, sich in der Armut zu solidarisieren, als ggf. vorhandenen Reichtum lustvoll zu teilen. Dies alles verwundert nicht, da uns lange der Zugang zu selbstbestimmten Umgang mit Geld verwehrt wurde und die berufliche Orientierung für Mädchen zweitrangig war (du heiratest ja doch). Und es stimmt: Die Armut ist weiblich, aber: Gerade Lesben haben häufig die Weichen anders gestellt, da sie sich nicht auf den Mann als Versorger hin orientierten, verdienen gut bis sehr gut, haben Ersparnisse, für das Alter vorgesorgt und/oder geerbt. Sprechen wir von unseren Geldgeschichten und über Gestaltungsmöglichkeiten!

      Wir werden aus mehr als 20 Jahren Frauenfinanzberatung einige Erfahrungen beitragen und zum Gespräch, zum Nachdenken und zum entspannteren Umgang mit dem Thema Geld anregen.




      Referentinnen: Anne Wulf, Betriebswirtin, und Karin Kaltenberg-Wulf, Psychologin und Geschäftsführerin
    3. Der Tanz der Würde, oder: eine Bewegungs-Reise zur Eigen-sinn-lichkeit


      Unser Körper ist unser Haus, unsere Burg, unser Schloss, das wir bewohnen, vielfältig und liebenswert. In der Schnelligkeit des Alltags überholt uns manchmal die Zeit, die Eindrücke, die Gedanken, und können Spuren des Unwohlseins und der Müdigkeit hinterlassen.

      Welche genussvollen Möglichkeiten erschließe ich mir, meine Quellen der Kraft und der Kreativität wiederzubeleben?


      Diese Spur möchte ich aufgreifen und mit euch auf eine Bewegungs-Reise gehen, in der ihr den Bedürfnissen eures Körpers nach Beachtung und Innehalten folgen könnt. Auf dieser Reise kann es möglich sein, deiner eigenen Sinnlichkeit und Würde näher zu kommen und die Begegnungen mit anderen zu gestalten.


      Mit kreativen Methoden aus dem „New Dance“ und der Tanz- und Bewegungstherapie.
      Eingeladen sind alle, die neugierig geworden sind und Freude daran haben, sich zu bewegen.


      Gestaltung: Herta Müller, Tanz- und Bewegungstherapeutin
  6. Spiritualität und Sinnfindung

    1. Das Frauenpaar als Sinnbild urgeschichtlicher Kulturen
      Eine archäologische Diareise


      Das Frauenpaar ist das erste in der Kunstgeschichte der Menschheit dargestellte Paar. Dies ist das Ergebnis meiner langjährigen archäologischen Forschungen.

      Schon in der Altsteinzeit wurden Tänzerinnen paarweise auf Steinplatten graviert.

      In jungsteinzeitlichen Siedlungen fanden sich Ton- und Steinfiguren von zwei Frauen Seite an Seite: Doppelgöttinnen, sich umarmende Frauen, zwei Machthaberinnen auf einem Thron. Das Frauen- oder Göttinnenpaar war ein Sinnbild für menschliche Kommunikation und Begegnung, für frühe Weltanschauungen.

      Mythen aus späteren Zeiten berichten von göttlichen Schwestern, die über Ober- und Unterwelt gebieten, von Doppelköniginnen der Amazonen, von Artemis und ihren Liebesgefährtinnen oder von Mutter-Tochter-Göttinnen, die die Lebenszyklen lenkten. Sie offenbaren auch die spirituelle Dimension einer Welt, die vom Zusammenwirken weiblicher Kräfte geprägt war.

      Sind die archaischen Frauenpaare ein Sinnbild für die Liebe zwischen Frauen auch heute? Helfen sie auf der Suche nach Vorbildern und spiritueller Orientierung?


      Referentin: Gabriele Meixner, Urgeschichtsforscherin und Autorin
  7. Lebensweise(n)

    1. Lebensgemeinschaften - eine sinnvolle Alternative für Lesben


      Ältere Lesben leben in den unterschiedlichsten Beziehungs- und Wohnformen und viele wünschen sich eine Wohn- und Lebensgemeinschaft mit mehreren anderen Frauen/Lesben. In den letzten Jahren und sogar Jahrzehnten sind etliche solcher Wohnprojekte im kleineren und eher privaten Rahmen entstanden, es wurden aber auch größere Einrichtungen gegründet und Wohnraum für (ältere) Lesben geschaffen.

      Im Zusammenhang mit diesen Projekten tauchen viele Fragen und Überlegungen auf, die nicht nur die organisatorische Form oder die Finanzierung, sondern auch Gruppenaspekte und allgemeine Fragen des Zusammenlebens berühren.

      Wir wollen hier zwei unterschiedliche Modelle für solches gemeinschaftliches Wohnen (ein jüngeres Stadtprojekt und eine ältere Hofgemeinschaft) vorstellen. Frauen, die an der Entwicklung dieser Projekte beteiligt waren, werden über die Konzepte informieren und von den bisherigen Erfahrungen berichten.



      Referentinnen: Ruth Balden, Karin Ammon, Herma Wolff
    2. Late Bloomers - oder: Viele Wege führen nach Lesbos


      Der englische Begriff „late bloomers“ bezeichnet Menschen, die erst spät im Leben und oft unerwartet ihre Fähigkeiten entwickeln oder einen Jugendtraum realisieren. Wir benutzen den Begriff, um Frauen zu beschreiben, die spät im Leben ihre Liebe zu Frauen entdeckten und erst vor einigen Jahren ihr „Coming-out“ hatten.


      In diesem Workshop werden wir über die Erfahrungen sprechen, die wir mit diesem späten „Coming out“ gemacht haben:


      Was hat uns die Kraft gegeben, es zu durchleben?

      Welche Schwierigkeiten haben wir erlebt oder erleben wir noch?

      Wo haben wir Unterstützung bekommen?
      Welche Erfahrungen haben wir mit Lesben gemacht, die schon immer wussten, dass sie lesbisch sind?

      Wie integrieren wir unsere „Hetera-Jahre“ in unser Leben heute?

      Was ist unser Beitrag zum Verständnis von Lesbischsein in unserer Gesellschaft?


      Referentin: Yvonne Ford

Nähere Informationen über die Referentinnen findest Du unter dem Link Referentinnen.

Weitere Angebote während der Tagung:

- Als Ausgleich zu den vielen Themenbeiträgen und Diskussionen besteht die Möglichkeit, auch etwas für den Körper zu tun und sich massieren zu lassen. (Die Massage ist nicht im Tagungspreis enthalten und kostet je nach Art und Dauer zwischen EUR 15,-- und EUR 45,--.)

- Es wird ein 'Raum der Stille' zur Verfügung stehen.

- Am Samstag steht tagsüber ein Büchertisch des Laura-Frauenbuchladens aus Göttingen mit Literatur speziell zu den Themen des Lesbischen Herbst 2007 und vielen anderen Büchern über/für (ältere) Lesben bereit.

- Am Samstag Abend erleben wir ein Konzert von Carolina Brauckmann speziell für den Lesbischen Herbst. Daran wird sich ein Fest mit Disco mit DJane Mona_S anschließen.

Programmänderungen vorbehalten.